Vom Full-Time Job zum Multi-Job

Melanie Costrau ist eine erfahrene Recruiterin im Tech-Umfeld, mit mehr als 11 Jahren Berufserfahrung im Recruiting.
Seit mehr als zwei Jahren arbeitet sie zu 100% routiniert und motiviert bei myTalentscout aus dem Homeoffice. Während viele Menschen die Pandemie bedingte Umstellung auf Homeoffice eine große Umstellung bedeutete, musste sich Melanie nicht umgewöhnen.

Melanie Costrau – Senior Consultant

Doch dann kam der Schock: Schulen und Kitas schlossen. Melanie jonglierte fortan zwischen mehreren Jobs: Tech Recruiterin, Kindergärtnerin und Lehrerin. Vom Mehraufwand im Haushalt und Kochen, wenn die ganze Familie auf einmal zu Hause ist, mal ganz abgesehen.
Wir möchten von Melanie gerne wissen, wie es ihr heute geht, was ihre lustigsten Momente waren, ob sie mal übers Aufgeben nachdachte, was ihre wichtigsten learnings sind und am allerwichtigsten:
Wie können Arbeitgeber ihre Mitarbeiter während dieser Situation unterstützen?


Melli, du bist selbst eine berufstätige Mutter und hast zwei Kinder zuhause, wie sieht dein Alltag gerade aus?

Mein Tag beginnt zwischen 6.00 und 07:00 Uhr in der Früh und ab ca. 22.00 Uhr habe ich dann „frei“. Während dieser Zeit versuchen mein Mann und ich allen wichtigen Dingen des Tages zumindest annähernd gerecht zu werden. Zum Glück sind wir ein eingespieltes Team und arbeiten aktuell beide aus dem Homeoffice. So können wir die familiären Aufgaben um unsere wichtigen beruflichen Meetings herum planen.

Welche Aufgaben stehen neben deinem Job als Recruiterin bei myTalentscout an?

Angefangen mit der Frühstücksvorbereitung, Aufgaben im Haushalt über Mittagessen kochen bis zum gemeinsamen Abendbrot. Dazwischen geht es auf den Spielplatz, werden Schulaufgaben begleitet und Zeit zum Spielen gegeben. Nach dem Abendbrot steht gemeinsames Lesen oder Gesellschaftsspiele auf dem Plan, bevor wir die Kinder ins Bett bringen. Anschließend räumen mein Mann und ich auf, waschen Wäsche, putzen und dann wird erledigt was über den Tag noch liegen geblieben ist, zum Beispiel „Papierkram“.
Mein Mann und ich versuchen alle Stimmungen der Kinder einzufangen um den Tag für alle so angenehm wie möglich zu gestalten
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Wow, das ist ganz schön viel. Wie bringt ihr das alles unter einen Hut?

Mein Mann und ich machen jeden Morgen ein „Familien Standup Meeting“ und planen im Detail, wer welche Aufgaben übernehmen kann. Hierfür versuchen wir uns gegenseitig den Rücken freizuhalten, damit man ungestört Video-Meetings, Telefonkonferenzen oder ähnliches führen kann. 
Wir sind als Familie stark zusammengewachsen und eine noch stärkere Einheit geworden. Sowohl mein Partner und ich,  als auch die Kinder untereinander. Trotz Altersunterschied spielen beide heute viel mehr miteinander. Wir versuchen immer unseren jüngsten Sprössling (4 Jahre) mit einzubeziehen. Wenn der Große (7 Jahre) eine Geschichte vorliest, hört der Jüngste gespannt zu oder malt etwas dabei.

Wie fühlst du dich in der Rolle als Lehrerin?

Ganz ehrlich, da hatte und habe ich großen Respekt vor. Da mein Sohn aber in die zweite Klasse geht, bekomme ich den Lehrstoff gut gehandled. Dazu hat er zweimal pro Woche einen Videocall mit seiner Lehrerin. Ich glaube bzw. kann nur vermuten, dass es Eltern mit Kindern in höheren Klassenstufen (der Oberstufe) viel schwerer haben.
Mein Großer macht in der Schule am liebsten Mathe. Die meisten Tage beginnt er daher, taktischer weise, mit Lesen (mag er nicht so gerne) und hat dann mit Mathe ein schönes Ende mit Erfolgserlebnis. Ganz ehrlich! Manchmal gibt es Tage, da will man mit ihm am liebsten nur Mathe machen weil es ihm so viel Spaß bereitet.

Bei so einem Alltag kommt man doch sicherlich auch mal eine seine Grenzen, oder?

Das schlimmste ist, das man gefühlt keiner Aufgabe 100% gerecht werden kann. Weder den Kindern, dem Beruf, im Haushalt noch dem Partner. Alles geht nur in Maßen. Wir haben dazu auch noch ein Haus gebaut. Ich habe des Öfteren gedacht: „Ich pack´s nicht mehr“. 
Wenn wir die Chance gehabt hätten, hätten wir die Kinder auch in die entsprechenden Betreuungseinrichtungen gegeben.  Die Möglichkeit besteht nun mal in erster Linie nur für systemrelevante Berufe und denen will man auch den Vortritt lassen. Auch die Angst vor einem erhöhten Infektionsrisiko, spielte dabei eine Rolle. Wir sind beide zuhause und als Team stehen wir das schon durch.

Was wünscht du dir in solchem Momenten am meisten?

Hach, tatsächlich ein Wellness Wochenende mit meinen Freundinnen. Einfach mal den Alltag kurz ausblenden und die Zeit mit meinen Mädels genießen.

Hast du denn noch irgendwann in der Woche einen Moment für dich?

Nein – überhaupt nicht! Früher bin ich auch gerne mal in die Badewanne gegangen oder habe z.B. meine Nägel lackiert, um ein wenig zu entspannen und somit mir etwas Gutes zu tun. Derzeit schaffe ich das weder zeitlich noch kräftemäßig nicht.

Man sieht ja des Öfteren, dass Kinder in ein Meeting platzen. Gibt es da auch Anekdoten aus deiner Familie?

Oh ja. Ich habe da zwei die mir spontan einfallen. Während eines Meetings mit meinem Vorgesetzten platzte eines meiner Kinder in unser Arbeitszimmer und rief: „ Ich muss kackern“.  Bei einem anderen Meeting ist leider eines meiner Kinder die Treppe runtergefallen und da musste ich natürlich direkt hin. Es ist zum Glück nichts Schlimmes passiert. Schön ist, dass für solche Situationen jeder bei myTalentscout vollstes Verständnis hat. Mittlerweile erkundigen sich die Kollegen auch immer wieder nach den Kids und auch mein Kollege hat bei Videokonferenzen regelmäßig seine Tochter dabei. Demnächst möchte ich ausprobieren, ob meine Jungs nicht Lust haben bei unserer wöchentlichen Yoga-Session mitzumachen.

Was denkst du wie können Arbeitgeber hier Väter und Mütter unterstützen?

Vor Allem Empathie und Verständnis gegenüber dem Arbeitnehmer kommunizieren.
Es fehlt leider derzeit die Kraft und die Zeit für Spitzenleistungen, trotz dem starken Wunsch den beruflichen Verpflichtungen gerecht zu werden. Ich bin sehr ehrgeizig, aber auch ich habe meine Grenzen. Alles was man jetzt braucht, kann man aktuell nicht mit Geld kaufen. Außerdem gehen dir irgendwann die Ideen zur Beschäftigung der Kinder einfach aus. Ich habe Spiele von meinem Arbeitgeber erhalten, welche meinen Kindern und mir viel Spaß und Abwechslung geboten haben sowie einige Stunden, in denen ich in Ruhe arbeiten konnte.
Diese Hilfestellung war super aufmerksam und hilfreich. Das Homeoffice geht natürlich auch ins Geld. Da bin ich sicher nicht allein und somit sehe ich es als große Unterstützung, wenn der Arbeitgeber hier mit einsteigt. Zum Beispiel mit einem Headset welches die Umgebungsgeräusche unterdrücken. Super hilfreich, wenn die Kinder im Haus spielen können und ich telefonieren kann ohne das Kunden oder meine Kollegen dies hören können.